Nella
macht sich Gedanken zum Thema: Erster
Suff Rausch.
Ein nicht uninteressantes Thema, wie ich finde und so grabe ich 'mal wieder in den löchrigen Erinnerungskisten (anstatt noch etwas über das Grau in Grau des aufgehaltenen Tages zu verfassen, wie eigentlich gedacht...) und kichere dezent in mich rein....
Damals, als ich Kind war, nahm man das noch nicht so genau.
Irgendwie enthielten viele, wenn nicht sogar alle, Dinge Alkohol.
Und so hatte ich meinen ersten Rausch wahrscheinlich mit sechs.
Ich war vor ein Auto gelaufen, was bei einer Verkehrsdichte von geschätzten zwei Autos (die Trecker lassen wir 'mal außen vor) am Tag, schon fast eine Kunst ist, und lag im Krankenhaus.
Es hatte mich schwer erwischt, wochenlang durfte ich mich nicht rühren, und deshalb beschenkte man mich. Reichlich.
Ich bekam alles, was ein Kind sich nur wünschen kann: Stofftiere. Malbücher, allerlei Kleinspielzeug und Süßigkeiten. Am laufenden Band.
Und auch wenn ich nicht gerade behaupten kann, ich hätte diesen Zustand genossen, so entschädigte die Flut der Aufmerksamkeiten doch für einiges.
Man könnte es fast schon als natürlich bezeichnen, dass irgendwann ein großes Paket von Tante Emma kam, immerhin schickte Tante Emma zu jedem erdenklichen und unerdenklichen Anlaß ein Paket; voll mit Schokolade, Kaffee und Geld. Meist waren diese Pakete jedoch nicht nur an ein Mitglied der Familie adressiert, sondern an mehrere, und so wurde der Inhalt immer möglichst passend verteilt.
Doch nicht diesmal. Diesmal war das Paket ausschließlich und ganz speziell NUR FÜR MICH und zu meiner großen Freude enthielt es Weinbrandbohnen.
Ich liebte Weinbrandbohnen, eine unter normalen Umständen stets streng kontingentierte Leckerei.
Es wird wohl der Zuckermantels unter der dunklen Schokolade gewesen sein, der mir ein solches Lustgefühl bei ihrem Genuß bereitet hat. Jenes kurze Krachen, wenn ich ihn zerbiß. Das süße, bröselige Gefühl im Mund, während der scharfe Geschmack des Alkohols sich ausbreitete und ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich nun lutschen oder beißen sollte. Meist tat ich dann irgendwie beides. Abwechselnd.
An jenem Tag war ich schon so weit genesen, dass man mir gestattete, mich im Krankenhauseigenen Park aufzuhalten. Ich saß in meinem Rollstuhl und malte in vollendeter Begeisterung Pferde und Cowboys auf A4 Papiere. Neben mir auf der Bank saß meine Mutter. Mit der eingeklagten Schachtel Weinbrandbohnen.
Irgendwie werde ich wohl auf die Tränendrüse gedrückt haben. Oder ich habe einen unbeobachteten Moment schamlos ausgenutzt.
Gewiss ist, dass ich, als sie mich gegen Ende der Besuchszeit zurück auf mein Zimmer schob, ein wunderbar knisterndes leeres Plastikbohnenbett in Händen hielt, während mir gleichzeitig komisch wohl und hundeelend war.....
(to be continued)